Die unendliche (Bau-Geschichte)

Bereits im Jahr 1987 hatte die Ortsgruppe bei der Gemeindeverwaltung eine Bauvoranfrage mit vom Planungsbüro Ferdinand Leutner gefertigten gefälligen Planvorlagen eingereicht. Diese Vorlagen fielen vorerst der Seeuferplanung zum Opfer. Ein Silberstreif am Horizont zeigte sich im Laufe des Jahres 1989 als mit der Bürgerbeteiligung zum Flächennutzungsplan des Seeufers auch die am See befindlichen Institutionen (Wasserwacht und Segelclub) angehört wurden. Beim damaligen Gespräch mit Bürgermeistern und Architekten suchte man auch eine Lösung zusammen mit dem Segelclub. Die Kostenschätzungen des WW-Anteils für einen diesbezüglichen Bau beliefen sich auf 440.000,-- DM. Gleichzeitig mehrten sich die Gespräche, Telefonate und Schriftverkehr mit der Gemeindeverwaltung und Architekten und die Gesprächsinhalte nahmen auch schon mal konkretere Formen an. In dieser Phase war es für die Wasserwacht von großem Nutzen, dass der stv. OG-Leiter Eberhard Schuhmann als Gemeinderat doch ein gewisses Maß an Mitspracherecht bei den diversen Verhandlungen und Gesprächen hatte und er bei allen Zusammenkünften immer zur Stelle war, wenn man einmal schnell und ggf. überraschend einen kompetenten Ansprechpartner seitens der Wasserwacht benötigte.

In einem Brandbrief musste die Ortsgruppe aber wieder Ende Oktober 1990 der Gemeindeverwaltung die Sorgen, Nöte und auch Strömungen aus den Reihen der Aktiven schildern und um Mitteilung über Standort und Baubeginn der neuen Wachstation bitten, nachdem hier eine neuerliche Debatte entstanden war und deshalb das Projekt wieder ins Stocken geraten war.

Eine positive Wende zum Guten trat letztendlich erst 1992 ein, als der Ortsgruppe, für sie selbst sehr überraschend, mitgeteilt wurde, dass nunmehr baldmöglichst mit dem Bau begonnen, dass die Gemeinde Bernau als Bauträger auftreten und ein Münchner Architekturbüro mit  der Planung und Ausführung betraut werde. Gerade letztere Mitteilung wurde von den Aktiven mit gemischten Gefühlen aufgenommen, war es doch dann nicht mehr nötig selbst mit Hand anzulegen bei diversen Arbeiten und bestand auch nicht mehr der vordergründige Zwang mit jedem einzelnen Handwerker, mit jeder einzelnen Lieferfirma Preisnachlässe und Spenden auszuhandeln. Und auch das Gefühl mit einer nicht ortsansässigen Architekturfirma zusammenarbeiten zu müssen, verbreitete einigen Unmut. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch die Einsicht durch, dass es für die Wasserwacht Bernau wohl das Beste war, wie es von der Gemeinde vereinbart worden war.

Auch jetzt galt es, viele Termine wahrzunehmen. So mussten die Pachtverträge mit der Gemeinde und dem BRK-Präsidium in Übereinstimmung gebracht werden, vielerlei Maße und Größen waren den Architekten zu übermitteln und etliche Gespräche waren notwendig, Irritationen auszuschließen. Schon allein die Frage nach zukünftigen Bootsgrößen von Motorrettungsbooten, die die Ortsgruppe einmal besitzen wird, oder das Anbringen von Rollos im Einfahrtsbereich um im Herbst und Winter nicht die volle Stärke der Stürme oder die gesamte Kälte abzubekommen, erforderte immer wieder Rückfragen und Rücksprachen. Ein Glücksfall war hier das Engagement des leitenden Beamten der Gemeinde Bernau, Helmut Schuhbeck, und auch das des Leiters des Bauhofes, Franz Maier. Beide verstanden es in hervorragender Weise, die Vorstellungen der Gemeinde so zu realisieren, dass für die Wasserwacht niemals ein Nachteil entstand.

Und dann war es endlich soweit: Am Buß- und Bettag im November 1992 wurde die über 35 Jahre alte Wachstation mit großem Elan innerhalb von nur 6 Stunden von 34 Aktiven abgerissen

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Wenig später begann eine Spezialfirma, trotz recht kalter Wintertage, das Fundament, eine bis ins letzte Detail durchdachte Stahlkonstruktion zu setzen. Diese Konstruktion war Anfang Februar 1993 fertiggestellt.

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Flott ging es nunmehr weiter, eine Zimmererfirma legte den Lattenrostboden und auch die Holzkonstruktion nahm bald Formen an. Formen jedoch, die trotz oftmaliger Hinweise von Wasserwacht und Gemeinde Bernau als Bauherr auf fachliche Baumängel einfach ignoriert und nicht nach oder ausgebessert wurden.

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Gleich einige Tage nach dem Richtfest, welches am 3. Mai gefeiert wurde, gab es einen Baustop mit einem anschließenden gerichtlichen Beweissicherungsverfahren. Ein solches wünscht man nicht einmal seinen ärgsten Feinden an den Hals. Welche Ansprüche an die Qualität einer Wachstation gestellt werden, ist folgender Zusammenfassung des gerichtlich bestellten Gutachters zu entnehmen: "Da es sich um eine Bootshütte oder Wasserwachthütte handelt, ist der Mangel tolerierbar und ein Abbruch deswegen liegt jenseits der Verhältnismäßigkeit der Mittel."(!!!)

Fast genau ein Jahr später wird aufgrund eines von der Gemeinde bestellten Gegengutachters der zu einem verheerenden Urteil gelangt, der verpfuschte Bau wieder abgerissen (vom 20.Mai bis 31.Mai 1994).

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Ab 27.Juni 1994 wird von einer anderen Zimmerei der Wiederaufbau begonnen und dieser relativ zügig vorangetrieben. Im Juli werden Dachplatten, Seitenwände und Fußboden im Obergeschoss angebracht.

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Trotz des Fehlens einer geeigneten Wachstation konnte aber der Wachbetrieb am Chiemsee, nicht darunter leiden und er wurde zwischenzeitlich, wenn auch unter sehr erschwerten Umständen, weitergeführt.

Auf die Dauer von zwei Jahren (1993 und 1994) konnten die beiden Motorrettungsboote im Rasthaus untergebracht werden. Als Sanitätsstelle, als Anlaufstelle für die Aktiven und als Lagerraum für die wichtigsten Utensilien stand ein Baucontainer zur Verfügung. Dass während dieser zwei Jahre wegen der räumlichen Enge und der Unbestimmtheit der Zukunft die Stimmung bei den Aktiven nicht gerade die beste war, dürfte einleuchtend sein.

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Trotzdem oder gerade deswegen, standen jedoch alle Aktiven und zahlreiche passive Mitglieder immer zur Verfügung, wenn es galt das Bernauer Strandfest in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Wasserrettung Bernau am Chiemsee e. V. zu planen, durchzuführen und erfolgreich abzuschließen. Die Einkünfte aus diesem Fest werden von der Ortsgruppe dringendst benötigt, um im Bereich des Kassenwesens einigermaßen flexibel bleiben zu können. Nicht von ungefähr konnte die Ortsgruppe Bernau aus Erlösen früherer Strandfeste der Gemeinde einen Betrag von 100.000,-- DM zum Bau der Wachstation zur Verfügung stellen und einen weiteren namhaften Betrag, der die soeben genannte Summe erheblich übersteigt, in den Innenausbau investieren.

Das Bauen ging zwischenzeitlich fröhlich weiter: Im August 1994 wurden im Untergeschoss die Seitenwände fertiggestellt, im Oktober im UG alle Räume und Türen eingebaut. Zwischenzeitlich gab es erhebliche Unstimmigkeiten mit den planenden Architekten, die forderten, das ohne ihre Zustimmung gebaute Vordach wieder abzureißen. Die Konsequenz war, dass die Architektengruppe ihren Auftrag vorzeitig beendete und beim Endausbau nicht mehr mitwirkte, was sich nach Aussagen einiger Aktiver jedoch nicht nachteilig auswirkte.

Von den Aktiven der Ortsgruppe wurden von Juli 1994 bis Ende Juni 1995 über 2000 Arbeitsstunden (neben dem Wachdienst) erbracht, um die Wachstation rechtzeitig beziehen zu können. Insbesondere betätigte man sich dabei beim Streichen der Wände, aller Holzteile und -konstruktionen, bei der Anbringung von Isolationen, beim Befestigen von Verkleidungen, bei der Elektro- und Sanitärinstallation, der Montage von Flaschenzügen, dem Einbringen von Estrich, dem Legen der Fußböden, etc., etc..

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Gerade in den letzten Wochen vor der Einweihung herrschte nochmals emsiges Treiben und ruheloses Schaffen, um am 20. August 1995 eine feierliche und in angenehmer Erinnerung bleibende Einweihungsfeier begehen zu können.

Die Wasserwacht, OG Bernau am Chiemsee, hofft nun, dass von dieser Wachstation aus immer rechtzeitig Hilfe erbracht werden kann, wo eine solche nötig ist, dass diese Station immer dann besetzt ist, wenn ein Mensch um Hilfe ruft, und dass diese Station dafür steht, dass es die vordringlichste und vornehmlichste Art des Menschen sein muss, anderen Mitmenschen, die in Not sind, Hilfe zu bringen.

(Text: Wolfgang Kink) 

Bilder von unserer Station in Bernau/Felden

 

Letzte Bearbeitung am: 11.04.10