Chronik der Wasserwacht OG Bernau am Chiemsee
 

Gründung, Aufbau, Aufgaben

Vor nunmehr fast 50 Jahren wurde die Ortsgruppe Bernau am Chiemsee mit Unterstützung des damaligen Abteilungsleiters Hans Oberlechner, vom späteren langjährigen Ortsgruppenleiter, Hans Galland, mit 14 begeisterten meist jungen Mitgliedern gegründet.

Sah man damals in der Bevölkerung diese Gruppe noch skeptisch an und war man noch vielfach der Meinung, dass sie gar nicht benötigt werde, ist die Wasserwacht heute vom Chiemsee gar nicht mehr wegzudenken. Insbesondere durch das stetige Anwachsen des Fremdenverkehrs, der Erholungssuchenden und der Wassersportler werden die Dienste der Wasserwachtler immer mehr in Anspruch genommen.

Auch in Punkto Schwimmausbildung, Rettungsschwimmen und Erste-Hilfe-Ausbildung hat sich die Ortsgruppe einen guten Ruf geschaffen. Kostenlos oder gegen nur geringes Entgelt lernen seit vielen Jahren, anfangs unter der Regie des jetzigen OG-Leiters Wolfgang Kink, seit vielen Jahren jedoch unter der Leitung von unserem ehemaligen langjährigem technischen Leiter Helmut Zerbst, Schüler und Erwachsene die Kunst des Schwimmens. Ehrenamtlich erteilte vier Jahrzehnte lang unser leider verstorbener "Wasserwacht Opa" Hans Schuhbeck hauptsächlich im Bereich Bernau und Prien Unterricht in Erster Hilfe, hielt Lehrgänge für Lebensrettende Sofortmaßnahmen ab und widmete sich besonders dem Erhalt der Flora und Fauna als Natursschutzbeauftragter unserer Ortsgruppe. Vielen Hunderten Interessenten vermittelte er die Kunst, anderen Mitmenschen bei Unfällen fach- und sachgerecht beistehen zu können. Die OG ist besonders stolz dass unser Ehren-Ortsgruppenleiter dafür sogar im Jahr 1992 vom Bundespräsidenten dafür gewürdigt wurde, indem Ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen wurde.

Ebenfalls viel getan wurde im Bezug auf den Naturschutz. Ob es sich um den Schutz der letzten Seerosenplätze, Schilfgürtel oder Niststätten handelte, ob eine Wasserverunreinigung festgestellt und eingedämmt oder gar verhindert werden konnte, die OG Bernau mit ihren Aktiven war stets besorgt, die Natur zu schützen und schützenswertes Natur- und Landschaftsgut zu erhalten.

Ausrüstung und Ausstattung der Ortsgruppe

Dass die Erfüllung dieser Tätigkeiten auch eine besondere Ausrüstung und Ausstattung erfordert dürfte jedermann einleuchten. Fuhren die Wasserwachtler 1953 noch mit dem Ruderboot Streife, ergatterte man 1956 einen Außenbordmotor, der die Ortsgruppe bis 1963 begleitete. In diesem Jahr erhielt man ein Holzboot mit einem altersschwachen Motor. Bei akuten Notfällen halfen damals Fischer, Segler, die Fessler`sche Schifffahrt und insbesondere das Bernauer Rasthaus mit ihren Motorbooten den in Not geratenen Wassersportlern und Schwimmern.

Erst die großherzige Spende des Münchner Jugendbuchverlegers Franz Schneider ermöglichte es der Ortsgruppe 1969 ein neues Motorrettungsboot in Dienst zu stellen. Aufgrund immer akuten Geldmangels hinkte die Ortsgruppe der Entwicklung, d. h. auch den steigenden Übernachtungszahlen, dem Run auf die Seen und dem stetigen Ansteigen des Erholungsbedürfnisses der Mitmenschen immer etwas hinterher. Als 1973 Hans Schuhbeck für den knapp 20 Jahre im Amt gewesenen Hans Galland die Ortsgruppenleitung übernahm, wurde einige notwendige Ausrüstung beschafft und die Idee geboren, ein modernes, allen Anforderungen gewachsenes Motorrettungsboot anzuschaffen und man begann beharrlich zu sparen, Veranstaltungen durchzuführen, Glückshafenausspielungen abzuhalten und Spendenaktionen zu organisieren.

Insbesondere die Bernauer Bürger verschlossen sich den Bitten der Wasserwacht nicht und unterstützten in erheblichem Maße ihre damals einzige Hilfs- und Rettungsorganisation im Gemeindegebiet mit beispielhaftem Bürgersinn. So konnte das neue Motorrettungsboot der Ortsgruppe am 22. Juli 1979 feierlich in Dienst gestellt werden. Als kleinen Dank an die Bernauer Bürger wurde es bei der Einweihungsfeier, die damals unter der Schirmherrschaft des damaligen Staatssekretärs im Bayer. Staatsministerium des Inneren, Franz Neubauer stattfand, auf den Namen "Bernau" getauft.

Unsere Mitglieder, unsere Jugend

Von großem Vorteil bei finanziellen Problemen der Ortsgruppe hat sich schon immer die stattliche Mitgliederzahl herausgestellt, So ist die Ortsgruppe mit derzeit 591 Mitgliedern, die zwischen Berchtesgaden und Flensburg beheimatet sind, eine der größten in der Kreiswasserwacht Rosenheim . Jedoch ist die OG permanent auf der Suche nach Aktiven aller Altersgruppen, die interessiert sind, bei der Wasserwacht ehrenamtlich mitzuarbeiten. Ein breites Spektrum bietet das Betätigungsfeld: Vom Naturschutz bis zur Jugendbetreuung, von der Schwimmausbildung bis zum Motorbootführer, von der Verwaltungsarbeit (auch die gibt es) bis zum Hüttenreinigungsdienst, all dies kann man bei der Wasserwacht lernen und dann auch eigenständig und eigenverantwortlich anwenden.

Unsere Heimat am Wasser

Schon unser erster Ortsgruppenleiter Hans Galland sah vorausblickend die unbedingte Notwendigkeit einer Rettungsstation direkt am See und in der ihm eigenen Art setzte sich Hans Galland, vielen Widerwärtigkeiten zum Trotz, durch. Dank der Mithilfe aller Aktiven, dem Baubüro und der Verwaltung der Justizvollzugsanstalt Bernau, sowie den vielen Bernauer Geschäftsleuten und Bauern, letztere mit namhaften Holzspenden, konnte in relativ kurzer Zeit eine für damalige Verhältnisse recht komfortable Wachstation gebaut und diese am 24. Mai 1959 eingeweiht werden. In der Chronik der WW- Abteilung Rosenheim steht hierüber zu lesen:"... Kennt man Galland und seine Leute nicht, dann möchte man daran zweifeln, dass diese größte Station im Bezirk in Gemeinschaftsarbeit einer Ortsgruppe entstehen konnte..."

Genauso aber wie der Zeitgeist an vielen Idealen der Menschen rüttelte, nagte der Zahn der Zeit an der doch schon fast 40-jährigen Station, die zahlreiche verheerende Hochwasser, viele peitschende Herbststürme, plötzlich hereinbrechende, von tiefschwarzen Wolkenbänken begleitete Gewitter mit sintflutartigen Regengüssen und einigen, deutlichen Spuren hinterlassende kräftige Eisschübe, beharrlich überstand.

Bereits in der Festschrift zur 30-Jahr-Feier der OG im Jahr 1983 war darauf eingegangen worden, dass die Wachstation altersbedingte Schwächen zeige und "in nächster Zeit entweder umgebaut und gründlich saniert oder neu erstellt werden muss". Die damaligen Schätzungen beliefen sich gesamt auf rund 180.000,-- DM. Seit 1980 ist bei der Ortsgruppe ein sich mehrender Schriftwechsel mit der Gemeinde, Rot-Kreuz-Dienststellen und Architekten nachweisbar, in dem man sich über einen Neubau der Wachstation Gedanken macht.

Aber so einfach, wie man es sich damals, noch unter der Aegidie des damaligen Bürgermeister Wolfgang Zeitlmann vorstellte, war das Bauen nun doch nicht. Warum sollte es für die Wasserwacht auch einfacher sein als für andere Bauwerber. Den Rat eines Behördenvertreters, einen Alleingang gegen den Willen der Gemeindeverwaltung und im Rechtsstreit das Bauen zu erreichen, hat man damals zurecht nicht befolgt.

Anfangs wurde man gebeten, die beabsichtigte Seeuferplanung nicht zu gefährden, später waren die Eigentumsverhältnisse am und im Wasser nicht ganz geklärt. Noch später brach eine langwierige Diskussion zwischen Gemeindeverwaltung, Wasserwacht und einzelnen Gemeinderäten aus über den zukünftigen Standort der neuen Station aus. Und letztlich zerbrachen sich viele "Fachleute" im Ortsbereich gar darüber den Kopf, wie groß denn nun eine neue Wachstation sein müsse, um die Wasserwacht zwar zweckmäßig aber doch preislich äußerst günstig am Seeufer unterbringen zu können.

Die Diskussionen nahmen kein Ende, die Zeit verging und wenn man sich am Ziel glaubte, bald mit dem Bau beginnen zu können, standen neuerliche Diskussionen über schon längst abgeschlossene Themen wieder im Mittelpunkt. Trotz der Warnungen und Mahnungen der OG- Leitung kam man nicht dazu, eine möglichst frühzeitige Entscheidung herbeizuführen, eine Entscheidung u einer Zeit, als es noch erhebliche Fördermittel (ca. 30%) aus dem Programm "Freizeit und Erholung" gegeben hätte. Dem reichlich dicken Fell und der "Sturheit" unseres OG-Leiters Wolfgang Kink war es des öfteren zu verdanken, dass man bei Vorstandssitzungen und Aktivenversammlungen, bei denen die Wogen der Emotionen überzuschwappen drohten, doch wieder friedlich auseinander ging.

Letzte Bearbeitung am: 15.05.2011